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Bericht zu „Person“ und „Sexualität“

KCID-Fachtagung „The Concept of Person and the Concept of Sexuality in Judaism, Christianity and Islam“, 12.-14. Februar 2019, FAU Erlangen

 

1) Das Konzept „Person”

1.1 Das Konzept „Person“ im Judentum (Prof. Dr. Aryeh Botwinick)

In der jüdischen Heiligen Schrift, den rabbinischen Texten und der späteren Philosophie wird die Natur des Menschen in der Begegnung und im Unterschied zu Gott betrachtet. Das Konzept „Person“ kann über das Konzept „Gott“ erörtert werden, dessen Beschreibung in religiösen Texten eine Wiedergabe der Natur des Menschen und des Selbstbildes darstellt. Das jüdische Verständnis von Personen wird vom Kontrast zwischen menschlichem Leben vor und nach dem Sündenfall geprägt. Nach Maimonides ersetzte der Sündenfall das zuvor perfekte Verständnis der Menschen von Wahr und Falsch mit dem Verständnis von Gut und Böse. Die Existenz des gesamten Feldes der Ethik mit seiner Ungenauigkeit und Fehlbarkeit ist somit symptomatisch für den „gefallenen Zustand“ der Menschheit. Sowohl die Hebräische Bibel als auch das Neue Testament versuchen oft Sympathie mit Außenseitern zu fördern. Im jüdischen Gesetz werden die grundlegenden Verhältnisse zu anderen Menschen durch die Noachidischen Gebote geregelt.

Der Schöpfungsbericht in Genesis 1 wirft den Leser mitten in eine präexistente Schöpfungsgeschichte, die ein nüchternes Bild von Persönlichkeit mit Unvollkommenheit im Zentrum zeichnet. Es fasst den menschlichen Zustand zusammen, daran zu arbeiten, ein nichtperfektes Universum perfekt zu machen, jedoch niemals fähig zu sein, diese Aufgabe tatsächlich zu erfüllen. Im Einklang mit der ständigen Unvollständigkeit und Unsicherheit des menschlichen Lebens zeigt der Monotheismus unsere größten Errungenschaften als relativ und fluide auf, indem er unsere Entfernung von der Perfektion verdeutlicht. Wenn die Bibel von Gott als Person spricht, dann liegt darin, dass Gott an die Menschen angeglichen wird, eine metaphorische Bedeutung.

 

1.2 Das Konzept „Person“ im Christentum (Prof. Dr. Edward Alam)

Während es sich bei der Anthropologie um die Wissenschaft des Menschen handelt, kann die Diskussion des Konzepts „Person“ nicht-menschliche Personen umfassen. Ein signifikanter Teil frühchristlicher theologischer Debatten konzentrierte sich um die Idee von Persönlichkeit in Gott, sowohl in der Trinitätskontroverse bzgl. der Natur und des Verhältnisses der drei göttlichen Personen, als auch in der Christologiekontroverse über das Verhältnis zwischen der göttlichen und der menschlichen Natur in der Person Jesus Christus. Diese Debatten wirkten sich direkt auf die christliche Idee des Lebens nach dem Tod aus, da die Natur Gottes und insbesondere die Doppelnatur Christi direkt mit dem Konzept der Erlösung verknüpft ist.

Im Mittelalter beeinflusste die aristotelische Philosophie das christliche Verständnis von Persönlichkeit und Seele signifikant. Mit seiner elaborierten Konzeption von analogia entis trug Thomas von Aquin innerhalb dieser Tradition substantiell zum Verständnis von „Person“ im Kontext christlicher Dogmen bei. Das ontologische Verständnis von Relation in den arabischen Kommentaren zu Aristoteles und später bei Thomas von Aquin erlaubte ein ontologisches Konzept „Person“ als Mensch in Beziehung. Diese Idee wurde später von der Philosophie des 17. Jahrhunderts herausgefordert, was zu der Emanzipation des Konzepts „Person“ von der Theologie führte. Diese Emanzipation wurde nicht nur als Befreiung, sondern von einigen als Verarmung empfunden, sodass das frühere Konzept von „Person in Beziehung“ im philosophischen Personalismus des 19. Und 20. Jahrhunderts zurückkehrte. Personalismus sieht die Person als ein relatives und fluides Konzept an und behandelt die Bezogenheit zu anderen Personen als etwas der Idee der Persönlichkeit Zugrundeliegendes. Christlicher Personalismus im Speziellen verknüpft diesen Begriff mit den Mysterien der Trinität und der Inkarnation.

Wenn intellektuelle Fähigkeiten ein Teil des Konzepts „Person“ sind, dann wirft dies die Frage nach kleinen Kindern oder Menschen mit geistiger Beeinträchtigung auf. Nach christlichem Verständnis sind sie Gott ebenso unendlich unterlegen wie jeder andere Mensch und müssen daher mit dem selben Maß an Respekt behandelt werden. Personen und deren Artikulationen können zudem als Offenbarung oder Erinnerungen an Gottes Wahrheit betrachtet werden.

 

1.3 Das Konzept „Person“ im Islam (Prof. Dr. Peter G. Riddell)

Obwohl in den Kernlehren nicht definiert ist das Konzept „Person“ im Islam ein grundlegendes, da die Rolle muslimischen Glaubens und Praxis in der Lebensgestaltung in allen Bereichen durch Personen liegt. Relevante koranische Begriffe wären an-nās, ein kollektiver Terminus mit der Bedeutung „Menschen“, nafs, in Bezug auf eine individuelle Seele oder eine lebendige Person, und raǧul                                                                                                                                                                                                                                      , „Mann“. Im eschatologischen Kontext ist ebenso der Begriff waǧh, welcher die Person in ihrer Gesamtheit umfasst. Dies gestattet einen Vergleich mit der christlichen Diskussion bzgl der prosopa/wuǧūh der Trinität. Im traditionalistischen Strang islamisch-theologischen Denkens liegt der Fokus auf der Person als Geschöpf, dessen primäre Aufgabe es ist Gott zu dienen und deren vorherbestimmtes Schicksal und prädestinierte Taten zu erfüllen. „Person“ wird als geschaffene Person verstanden, was gleichzeitig bedeutet, dass Gott keine Person ist. Bedeutend ist in diesem Zusammenhang auch aṭ-Ṭabarīs Unterscheidung von drei Arten des nafs (Seele) in der Schrift: Die Selle, welche zum Bösen verführt, die Seele in Verwirrtheit und die Seele im Friedenszustand, welche die Seele des Gläubigen ist. In rationalistischeren Denkschulen wird mehr Wert auf persönliche Freiheit gelegt, welche in einem individuellen Verhältnis der jeweiligen Person mit Gott und mit dem Rest der Menschheit zum Ausdruck kommt. Die Aufgabe des Menschen liegt im Leben dieser Freiheit im Gottesdienst und in der Vormundschaft über die Schöpfung. Im Sufismus wiederum wird die geschaffene Person als essentiell eins mit ihrem Schöpfer angesehen, sodass der freie Wille kein Thema ist. Zu bestimmten aktuellen Themen haben traditionalistische und rationalistische Gelehrte ähnliche Ansichten: In beiden wird z.B. Empfängnisverhütung aus medizinischen Gründen als zulässig angesehen, aus anderen Gründen als makrūh, jedoch nicht ḥarām. Abtreibung ist vor dem 120. Tag der Schwangerschaft erlaubt, da an diesem Punkt, wie es ein koranischer Vers suggeriert, dem Fötus Seele eingehaucht wird. Nach diesem Zeitpunkt ist Abtreibung dann inakzeptabel. Hinsichtlich des Klonens verlangen die Traditionalisten ein absolutes Verbot, wohingegen liberalere Gelehrte sich eines Urteils enthalten bis ein besseres Verständnis der Fakten erlangt wird. Erwähnungen von Bestrafungen im Koran, wie zum Beispiel in ein Schwein oder einen Affen verwandelt zu werden legen nahe, dass die Persönlichkeit durch bestimmte Übertretungen verwirkt werden kann. Vergleiche können zudem zwischen den Ansichten der beiden anderen monotheistischen Religionen über den Status von Personen aus anderen Religionen können gezogen werden.

 

2) Das Konzept „Sexualität“

2.1 Das Konzept Sexualität im Judentum (Prof. Dr. Sarah Imhoff)

In dieser Thematik, so wie bei vielen anderen in der jüdischen Trdatiton, gab es verschiedene Herangehensweisen und Interpretationen, wobei Vielfältigkeit und Uneinigkeit nicht unbedingt Zwietracht bedeuten. Die Beschreibungen von Sexualität in der Hebräischen Bibel sind sehr divers, obwohl man bedenken sollte, dass die bloße Aufnahme in den biblischen Text nicht gleichbedeutend mit einer Billigung aus der Sicht des jüdischen Religionsgesetzes ist. Auch wenn es weithin gemeinsame jüdische Herangehensweisen an die Thematik gibt, gibt es doch keinen eindeutigen Standpunkt hinsichtlich Sexualmoral.

Während talmudische Texte von und für Männer geschrieben wurden und Männern eine privilegierte Position im Eherecht zukommt, gewährt der Talmud in anderen Themenfelder Frauen mehr Recht als zur damaligen Zeit eigentlich üblich, beispielsweise hinsichtlich Opfern von Vergewaltigung. Der Talmud erkennt zwei Arten von intersexuellen oder nicht-binären Menschen (die Androgynen mit beiden Arten von Genitalien und das Tumtum ohne erkennbares Geschlecht) an, deren Geschlecht nicht eindeutig festgelegt werden kann und deren Rechte und Pflichten ausführlich diskutiert werden. Während die talmudische Geschlechtervielfalt nicht eins zu eins auf moderne Identitäten übertragen werden kann, bietet sie dennoch Ressourcen für die Bestätigung zeitgenössischer Transgender- und nicht-binärer Identitäten, obwohl LGBT-Menschen in vielen jüdischen Gemeinden immer noch an den Rand gedrängt werden.

In Bezug auf Beziehungen stellt das biblische Gebot, „fruchtbar zu sein und sich zu vermehren“, eine eindeutige Bestätigung für heterosexuellen Sex dar. Ob auch andere sexuelle Praktiken zulässig sind, geht aus den biblischen Texten nicht hervor. In den meisten Fällen haben verschiedene Talmudgelehrte entgegengesetzte Antworten. In der chassidischen Tradition wird die Diskussion über sexuelle Praktiken tendenziell von der Frage geprägt, ob männliches Sperma „verschwendet“, d. h. nicht von seiner Verwendung für den Zweck der Fortpflanzung abgehalten wird. Dieser Schwerpunkt hinsichtlich des männlichen Samens steht im Kontrast zum koranischen Verständnis von Fortpflanzung als Vermischung männlichen und weiblichen Samens, obwohl auch jüdische Schriften davon ausgehen, dass der geistige Zustand beider Partner bei der Zeugung den Nachwuchs beeinflusst. Die gegenwärtig verbreitete Behauptung, das Judentum sei im Gegensatz zu anderen Religionen durchgehend positiv gegenüber Sexualität eingestellt, ist daher eine sehr selektive Lesart. Dennoch stellen nicht einmal die am wenigsten freizügigen Texte Sexualität als etwas inhärent Böses und mit einer Erbsünde Verbundenes dar, im Gegensatz zu einem großen Teil der christlichen Tradition.

 

2.2 Das Konzept „Sexualität“ im Christentum (Prof. Dr. Heike Walz)

Loth (1977) unterscheidet zwischen vier Arten religiöser Haltung zu Sexualität: 1) Sexualität als die Freude an der Schöpfung, 2) eine integrative Haltung (Sexualität als Teil der Religion), 3) desintegrative Haltung (funktionalisierte Sexualität), 4) asexuelle Religion. Alle diese Haltungen finden sich innerhalb des Christentums. Mit der weltweiten Verbreitung des Christentums lebt eine große Anzahl von Christen im globalen Süden und Europa steht nicht mehr in der Form im Zentrum christlicher Diskurse, wie es dies in früheren Jahrhunderten tat. Somit müssen unterschiedliche Konzepte und Ansichten berücksichtigt werden, wenn man über das Konzept von Sexualität im Christentum sprechen möchte. Auf der einen Seite gibt es viele Meinungsunterschiede zwischen Strömungen und zwischen liberalen und konservativen Flügeln innerhalb derselben Strömung, auf der anderen Seite gibt es Ähnlichkeiten zwischen Gruppen verschiedener Konfessionen und sogar Religionen.

Da der Terminus „Sexualität“ ein relativ neuer ist, klafft zwischen dem modernen Verständnis und dem, was sich in biblischen Texten finden lässt, eine große Lücke. Es gibt keinen abstrakten Begriff für Sexualität im Alten oder/und im Neuen Testament. Vielmehr wird das Verb „jemanden (er)kennen“ als Euphemismus für Sex gebraucht. Die Behandlung des Themas in den Briefen des Apostels Paulis ist geprägt von einer androzentrischen und anti-sexuellen Interpretation von Genesis 1-3. Beispielsweise wird dabei Eva mit Sexualität und gleichzeitig mit Sünde in Verbindung gebracht (1 Tim 2, 18-25). Der Fokus auf Abstinenz im Neuen Testament mag teilweise der unmittelbaren Endzeiterwartung der frühchristlichen Gemeinschaft geschuldet sein, jedoch auch hellenistischem Einfluss. Das biblische Gegenparadigma findet sich im Alten Testament, insbesondere im Hohelied Salomos, worin Sexualität und Spiritualität eng miteinander verknüpft werden. Die antisexuelle Tendenz der Epistel finden ihren theologischen und philosophischen Widerhall in den Werken von Theologen wie Augustin, der die Idee der Erbsünde hervorhebt, welche durch Geschlechtsverkehr übertragen werde, oder von Thomas von Aquin, der Sexualität als sündhaft erachtet, da diese die Rationalität störe. Andererseits gibt es im Mystizismus eine Tradition spiritualisierter Sexualität, so in der „mystischen Hochzeit“. Frühe protestantische Bewegung lehnten das Zölibat zugunsten einer Ehe als Ideal christlichen Lebens ab, was eine Gemeinsamkeit mit dem jüdischen Verständnis der Fortpflanzung als Pflicht darstellt. Die jüdische Tradition legt viel weniger Wert auf die Verknüpfung von Sexualität mit Sündhaftigkeit. Wenn überhaupt, dann gibt es dies nur in abgeschwächter Form im Sinne von Fleischlichkeit, Unvollkommenheit und Sündhaftigkeit als Grundzustand des Menschen. Manche rabbinischen Texte gehen sogar soweit, dass sie Askese als eine Art Verführung betrachten, da die Ablehnung der Freuden der Schöpfung an sich sündhaft sei.

Die christliche Idee der Sexualiät als Sünde führte zu interkulturellen Auseinandersetzungen in der Kolonialzeit, da diese Sichtweise für Kulturen mit einem kosmischeren Verständnis von Sexualität nicht verständlich war. Auch heute gibt es Konflikte, beispielsweise ausgelöst durch ein neues Verständnis von sexueller Autonomie und der Emanzipation der Frau. Feministische und queere Theologie nehmen hierbei eine wichtige Rolle innerhalb vieler zeitgenössischer ökumenischer Kontroversen. Dabei spielt auch die Schnittmenge von Gender- und Postkolonialdiskursen eine wichtige Rolle: Beispielsweise argumentieren afrikanische Christen gegenüber Europäern, dass diese zunächst während der Kolonialzeit ihre heteronormative Moral den von ihnen kolonisierten Ländern aufgezwungen haben und jetzt meinen, das heute wieder zum genauen Gegenteil ändern zu können.

 

2.3 Das Konzept „Sexualität“ im Islam (Prof. Dr. Patrick Franke)

Historisch gesehen war „Sexualität“ kein Konzept innerhalb der islamischen Tradition, sondern wurde im 20. Jahrhundert von Europa als Konzept importiert. Allerdings wurden Themen, die heutzutage unter Sexualität fallen würden, unter anderer Überschrift in islamischen Schrift durchaus diskutiert, sodass das Themenfeld Sexualität im Islam eine große Anzahl an Konzepten umfasst. In die islamische Sexualethik wurden einige vorislamische Elemente integriert, wie z.B. die Einbeziehung von Pflegeverwandtschaft als Hindernis für eine Ehe, Polygynie, sexuelle Einschränkungen während der Pilgerfahrt und sowohl männliche als auch weibliche Beschneidung. Die Beschneidung wurde auf sehr unterschiedliche Weisen in die islamische Sexualethik integriert: Die Männer- bzw. Knabenbeschneidung ist noch immer ein Weg zur Gemeinschaft der Gläubigen zu gelangen, während die Genitalverstümmelung bei der Frau eine Form der Kontrolle und Regulation der weiblichen Sexualität war. Letztere Beschneidungsform war auch vor dem in den letzten Dekaden stärker geworden Vorgehen dagegen in nur wenigen Regionen der islamischen Welt üblich. Neue Elemente in der mekkanischen Periode beinhalteten die Ablehnung sexueller Abstinenz, die Idee der Liebe zwischen Ehepartnern als ein „Zeichen von Gott“ (Q 30:21) und die Abneigung gegen männliche homoerotische Begierden. In der medinensischen Periode wurde ein stärkerer Fokus auf Maßnahmen zur Sicherung der Vaterschaft gelegt. In diese Zeit fallen auch die Einführung der Verschleierungsregeln für Frauen und der asymmetrischen Endogamie mit Juden und Christen. Während der Zeit von ʿUmar bin al-Ḫaṭṭāb wurde das Gesetz in Bezug auf sexuelle Straftaten weiter verschärft.

In den ersten Jahrhunderten islamischer Zeitrechnung wurden im Rahmen des neu entstehenden Feldes islamischer Rechtsprechung (fiqh) das Ehe- und das Reinheitsgebot weiter ausgearbeitet und neue Kategorien im Strafrecht eingeführt. Unter dem Einfluss der Übersetzung griechischer medizinischer Abhandlungen entstand die Subdisziplin ʿilm al-bāh („Wissenschaft des Koitus“), welche sexuelle Aktivitäten als notwendig für die Gesundheit erachtete. Diese ursprünglich medizinischen Abhandlungen entwickelten in späteren Jahrhunderten, möglicherweise unter indischem Einfluss, einen erotischen Charakter und umfassten Themen wie weibliche Schönheit, Balzverhalten oder Sexstellungen.

Während der Kolonial- und der Post-Kolonialzeit beeinflussten europäische Werte die islamische Sexualethik. Dies beinhaltete die Abschaffung der Sklaverei, das Verbot der Kinderehe, die Entkriminalisierung von zinā. Der Einfluss viktorianischer Sexualethik führte zu einer Verunglimpfung der Homoerotik (im Gegensatz zur blühenden homoerotischen Kultur des islamischen Mittelalters). In den 1990ern und 2000ern kam eine größer werdende Anzahl an aktivistischen Gruppen auf, die die Idee der sexuellen Autonomie einführten und/oder verteidigten. Diese Modernisierung führte zu Gegenreaktionen, sowohl von reaktionären Aktivisten als auch von Regierungen: Seit den 1970ern wurden die Strafgesetzbücher verschiedener Staaten „islamisiert“ und Geschlechtertrennung, Verschleierungspflicht und Kinderehen (wieder-) eingeführt.

Im Allgemeinen ist Sexualität mehr ein soziales, denn ein religiöses Thema, auch wenn beide Sphären über lange Zeit der Geschichte Hand in Hand gingen. Da Sexualität nur sehr schwer zu regulieren ist, führen Versuche zur Regulation häufig zu doppelten Standards und einem Gap zwischen normativen Regeln und der tatsächlichen Praxis.

 

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