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Bericht zu „History“ und „Time“

Bericht zur Fachtagung „The Concept of History and the Concept of Time in Judaism, Christianity and Islam“, 12. – 14. Dezember 2018

I) Das Konzept der Geschichte (History) in Judentum, Christentum und Islam

1. Das Konzept der Geschichte im Judentum (Prof. Dr. em. Karl E. Grözinger)

Es ist möglich das Judentum in seinen Fundamenten als eine Religion der Geschichte zu denken. Die Erlösungsgeschichte, welche eine sehr zentrale Rolle in der Entwicklung jüdischer Lehre spielt, unterscheidet sich jedoch fundamental von Geschichtsschreibung in einem modernen Sinne, da es dort mehr um die Schaffung eines kollektiven Gedächtnisses des Judentums geht und weniger um eine Dokumentation geschichtlicher Ereignisse. Daher müssen wir uns vor Augen führen, dass es im Judentum nicht eines, sondern eine Vielzahl an Konzepten von Geschichte gibt.

Wichtige jüdische Geschichtskonzepte können in drei Kategorien gegliedert werden:

  1. Zyklisches / typologisches Geschichtsbild: Dieses Konzept sieht historische Ereignisse als eine Wiederholung eines grundlegenden historischen Themas oder Typus. Biblische Erzählungen berichten von einem sich wiederholenden Muster der Juden, die sich von Gott abwendend von der gegnerischen Macht übermannt werden und sich wieder zu Gott zurückwendend von diesem gerettet und mächtiger werden. Orthodoxe Gelehrte sehen dieses Schema sich in den Kreuzzügen und auch der Schoah wiederholen.
  2. Apokalyptisches Geschichtsbild: Geschichte wird hier als eine lineare Entwicklung bereits vorherbestimmter Stufen, vom Beginn bis zum Ende, interpretiert. Derartige apokalyptische Sichtweisen kombinieren eine pessimistische Sichtweise auf das Diesseits (zumindest nach dem Sündenfall) mit Optimismus hinsichtlich des Jenseits. Dies umfasst ebenfalls das kabbalistische Konzept von Geschichte, welches davon ausgeht, dass die Weltgeschichte eine feste Anzahl an Millennien umfasst. Manchmal wird dieses lineare Geschichtsbild als eines mit vielen innerlinearen Zyklen aufgefasst, in denen die Welt zwischen Gut und Böse bzw. Einheit und Zersplitterung hin und herpendelt. Die Struktur der Geschichte ist metaphysisch determiniert. An diesem Punkt gibt es durchaus wechselseitige Einflüsse von jüdisch-religiösem Zionismus und bestimmten christlichen Vorstellungen eines messianischen Königreichs.
  3. Modernes Geschichtsbild: In der frühen Modere wurde Idee einer engen Verknüpfung des menschlichen Schicksals mit metaphysischen Kräften. Das moderne Geschichtsbild ist dadurch anthropozentrischer aufgebaut. Einer Rolle metaphysischer Kräfte wird nur dann eine Existenzberechtigung zugestanden, wenn dabei zwischen historischer und rationaler Wahrheit unterschieden wird. Das moderne Geschichtsbild wurde immer mehr geprägt durch einen kritischen Vergleich von Quellen. Trotzdem sind auch diese Herangehensweisen nicht statisch, sondern hängen vielmehr auch von historischer und politischer Erfahrung ab.

Bis heute gibt es unterschiedliche miteinander konkurrierende Sichtweisen auf Geschichte aus allen drei Kategorien. Während alle alten Darstellungen bzgl. einer Präsenz metaphysischer Kräfte in der Geschichte übereinstimmen, erlauben dies moderne Sichtweisen mit der Bedingung einer Existenz verschiedener Wahrheiten. Sogar vormoderne Konzepte von Geschichte ermöglichen eine komplexe Sichtweise auf historische Wahrheit, z.B. durch das Zulassen unterschiedlicher Interpretationen biblischer Wahrheiten.

 

2. Das Konzept der Geschichte im Christentum (Prof. Dr. Christoph Böttigheimer)

Geschichte wird generell als eine komplexe Kette von Ereignissen verursacht durch den Menschen verstanden. In der christlichen Tradition wird diese Sequenz als in einem teleologischen Sinne verstanden, als ein Medium göttlicher Offenbarung konzentriert um Jesus Christus und zum eschatologischen Ziel führend. Historizität auf der anderen Seite bezieht sich auf die Bedingung ein Subjekt zu sein, das der Zeitlichkeit, Endlichkeit und Veränderung unterliegt. Im christlichen Verständnis unterliegt dies der Notwendigkeit von Erlösung. Geschichte mehr als eine Reihe von Erzählungen zu verstehen, die Lehren aus der Vergangenheit vermitteln, als ein Kontinuum von Ereignissen oder Fakten, erlaubt einem wiederum die Heilige Schrift als Geschichte zu verstehen. Im Alten Testament wird Geschichte primär als Errettungsgeschichte verstanden, deren Fortschritt von Gott in Richtung einer eschatologischen Zukunft gelenkt wird. Das Neue Testament folgt dieser chronologischen und eschatologischen Sicht auf die Geschichte, indem es die Zeit als in Jesus Christus erfüllt begreift. Das Leben Christi, sein Tod und die Auferstehung sind die Klimax der Geschichte, im Gegensatz zum Sündenfall als Antiklimax. Nach Jesu Auferstehung ist der Rest der Geschichte bereits messianische Ära in der Anwesenheit der Erlösung, welche sich manifestiert, wo Liebe konkret wird. Dennoch werden Tod und Auferstehung Christi als etwas gänzlich Singuläres in der Geschichte betrachtet, worin das Ende der Geschichte erwartet wird. Die Unterscheidung zwischen Profan- und Erlösungsgeschichte wurde ausschließlich in der Moderne konzipiert, obwohl dies seine Grundlage im biblischen Schöpfungsbericht hat, der eine Trennung zwischen Gott und Schöpfung etabliert. Theologie, die von Denkern in verschiedenen historischen Kontexten durchgeführt wird, ist selbst Subjekt der Geschichte. Sogar im biblischen Text selbst kann eine ahistorisch bedingte Entwicklung theologischer Ideen beobachtet werden. Diese Form der Historizität zeigt sich wiederum in der Betrachtung der Kirchengeschichte, da sie eine lebendige und daraus resultierend nie abgeschlossene Tradition zeigt, welche hermeneutisch und im Kontext ihrer historischen Entwicklung verstanden werden muss. Die Geschichte der Schismen, aber auch der ökumenischen Bewegung, zeigt eine solche Wandelbarkeit und historische Vielfalt. Geschichte als Ganzes ist ein konstitutives Element des Christentums.

 

3. Das Konzept der Geschichte im Islam (Prof. Dr. Mona Hassan)

Geschichte wird im Islam meist von einem transzendentalen Blickwinkel aus betrachtet. Klassisch-islamische Geschichtswerke beginnen in der Regel mit Gott, der vor- und überzeitlich ist. Erst danach wird mit der Schöpfung von Raum und Zeit und der Geschichte der Erde fortgefahren. Viele solcher historischen Lehren tauchen im Koran auf, der einen Schwerpunkt auf die Erinnerung an zurückliegende historische Ereignisse legt, um von diesen zu lernen. Manche islamischen Riten zielen darauf ab historische Ereignisse zu wiederholen und wiederzugeben. Dies macht aus Geschichte ein Vehikel für ein gemeinsames Gedächtnis. Urgeschichte spielt ebenfalls eine große Rolle im Verständnis von Geschichte als Menschheitsgeschichte. Diese ist konzeptualisiert als Beginn mit dem ursprünglichen Bund zwischen Gott und Menschen vor ihrer Schöpfung. Die Idee uranfänglicher Vorgeschichte könnte Parallelen zur christlichen Diskussion um „Zeit“ vor der Erschaffung der Zeit aufweisen. In der islamischen Tradition wird Geschichte zu einem großen Teil in Kunst ausgedrückt. Seit vorislamischer Zeit an hat Poesie einen tiefen Effekt der Erinnerung und Vergegenwärtigungvon Geschichte. Musik wurde zu einer Möglichkeit auf künstlerische Art und Weise Antworten auf historische Ereignisse einzufangen. Hier finden sich Parallelen in der schiitischen Tradition der Aschura-Festspiele zum Gedächtnis an die Schlacht von Kerbela und christlichen Passionsspielen. Auch der Prophet spielt eine wichtige Rolle im muslimischen Geschichtsverständnis,da er innerhalb wie jenseits der Geschichte eine Schlüsselfigur im religiösenLeben darstellt.

In der muslimischen Konzeptualisierung von Geschichte können folgende Unterscheidungen gemacht werden:

  • Diskursive Geschichte, insbesondere vertreten in der Hadith-Literatur
  • Verkörperte Geschichte, zeigt sich in der praktischen Tradition gemeinschaftlicher Präzedenzfälle
  • Narrative Geschichte, weitgehend in der formalen historiographischen Tradition

Hinsichtlich der metaphysischen Dimension der Menschheitsgeschichte gibt es im Islam eine Spannung zwischen menschlicher Freiheit und göttlicher Verordnung.Gott wird als immer präsent und in der Geschichte aktiv betrachtet, was wiederum zur Folge hat, dass häufig nicht zwischen säkularer und göttlicher Geschichte gemacht werden kann. Der orthodoxe Konsens im Islam des Mittelalters war, dass der Mensch seine Taten „verdient“, während Gott diese verursacht. Dies wird beispielsweise von zeitgenössischen türkischen Denkern aufgegriffen, welche eine Verbindung zwischen Neo-Asch’ariyya und Quantenphysik herzustellen versuchen. Moderne Diskussionen umfassen um einiges mehr Diskussionen um den freien Willen.

Eine Gemeinsamkeit in allen drei monotheistischen Religionen ist die, dass mystische Traditionen des Konzepts von Geschichte immer anders sind als die der Mainstream-Theologen. Ein gemeinsames Merkmal ist die Suche nach einer Präsenz von etwas Transzendentem, auch wenn die Erläuterungen der Details variieren. Einige moderne Ansätze stützen jedoch eine gemeinsame Kernrealität hinter den unterschiedlichen Inhalten dieser gemeinsamen Erfahrung. Überdies werden in allen Religionen historische Momente in religiösen Zeremonien vergegenwärtigt.

 

II. Das Konzept der Zeit in Judentum, Christentum und Islam

1. Das Konzept der Zeit im Judentum (Prof. Dr. Sylvie Anne Goldberg)

Während die Konzepte von Geschichte und Zeit schwer voneinander zu trennen sind, ist die Konzeptualisierung von Zeit im Judentum stets mit anderen Schlüsselkonzepten im Judentum verknüpft, so zum Beispiel die Schöpfung. Der Schöpfungsbericht in Genesis beschreibt „Tage“ sogar vor der Schaffung einer sequentiellen zeitlichen Abfolge an sich. Diese geschieht erst am vierten Schöpfungstag mit der Schöpfung der himmlischen Lichter. Der Lauf der Zeit wird im jüdischen Leben durch den Sabbat unterbrochen, des weiteren durch Sabbat-Jahre oder Jubiläen. Diese verleihen der Zeit einen gewissen Rhythmus und verknüpfen diese mit dem Begriff der „Freiheit“.Von manchen wird die Erfahrung des Sabbats als außerhalb der menschlichen Zeit betrachtet. Da der jüdische Kalender, der immer eine besondere Rolle in der Strukturierung jüdischen Lebens gespielt hat, mit dem Moment der Schöpfung beginnt, muss dies im Rahmen der modernen Wissenschaften irgendwie konzeptuell relativiert werden. Dies muss zu einer Anerkennung eines Unterschiedes von religiöser Zeit und physischer Zeit führen oder metaphorisch verstanden werden, im klaren Kontrast zu den astronomischen Kalenderabhandlungen des Mittelalters.

Begriffe der Hebräischen Bibel das Konzept „Zeit“ zu umschreiben umfassen z.B. ʿōlām, was eine Vollständigkeit der Zeit bezeichnet (z.B. auch „Lebensdauer“), die Gesamtheit des Kosmos oder Ewigkeit, was somit sowohl die menschliche als auch die universelle, begrenzte und unbegrenzte Zeit und zəmān, das heißt Bewegung oder Zeitablauf, bezeichnet. Die Wörter mōʿēd, die Zeit eines Treffens, genereller ein genau bestimmter Zeitpunkt oder eine Dauer (im Plural auch Bezeichnung für „Fest“), und ʼēt, ein flüchtiges jetzt bezeichnend, oder eine von Gott gewählte Stunde, so zum Beispiel bei “bā-ʼēt ha-hī’”, „in dieser Zeit“, werden ebenfalls verwendet.

Im Mittelalter kamen zahlreiche Fragen metaphysischer Natur hinsichtlich Zeit auf. Verbreitete kosmologische Konzepte von Zeit basierten entweder auf der creatio ex nihilooder dem Emanationsmodell der Schöpfung. Es ist nicht ganz klar, wann die Idee der creatio ex nihilo, welche ein Beispiel griechischen und/oder christlichen Einflusses auf das Judentum darstellt, in das Judentum gelangte, da die Hebräische Bibel diese nicht explizit erwähnt. Spätestens jedoch in den Werken des Philo ist diese Idee präsent. Ab dem 10. Jahrhundert entwickelten jüdische Philosophen ein spekulatives Konzept von Zeit als göttliches Attribut, welches sich in die zeitgenössischen Kontext des muslimischen kalām einfügt. Später, im Kontext der aristotelischen und neo-platonischen Philosophie, wurde Zeit als Bewegung konzeptualisiert.

Um dies zusammenzufassen, jüdische Zeitkonzepte umfassen den unendlichen Lauf der Zeit, die historische Zeit und zyklische Zeitvorstellungen. Die Hebräische Bibel weist klar darauf hin, dass Zeit für die Menschen da sei (so z.B. in Genesis 1 und Kohelet 3), wenngleich das christliche Konzept kairosnicht wirklich in das jüdische Konzeptgerüst passt. Zeit könnte also sowohl linear als auch zyklisch wahrgenommen werden, eine „Linie an Zyklen“, sozusagen. Dies findet eine Parallele im Koran, da Zeit dort als sich in Zyklen fortbewegend dargestellt wird.

 

2. Das Konzept der Zeit im Christentum (Prof. Dr. Alan G. Padgett)

Im christlichen Verständnis wurde die Schöpfungszeit geschaffen, um Raum für die Schöpfung zu schaffen, nicht nur für das Leben der Menschen, sondern im Sinne des gesamten Kosmos. Zeit ist somit ein Geschenk, das Wachstum zulässt. Dies impliziert jedoch auch eine negative Komponente, da die Möglichkeit zum Wachstum stets auch die Möglichkeit zur Verdorbenheit impliziert. Der Messias als der Herr des Himmels und der Erde ist außerdem zentral für die kosmische Zeit, sowie für die Menschheitsgeschichte. Das „Ende“ der Zeit in der neuen Schöpfung ist im Sinne des biblischen Textes nicht das Ende jeglicher Zeitlichkeit, da die neue Welt immer noch Zeit hat. Somit ist das „Ende“ der Zeit besser als telosder Zeit zu verstehen, nicht lediglich als Endpunkt. Das christliche Konzept der Zeit zu erklären ist unmöglich ohne eine Bezugnahme auf die Ewigkeit. In der christlichen Tradition hat es stets widersprüchliche Konzepte die Ewigkeit Gottes betreffend gegeben, einerseits als ewige Dauer, andererseits als transzendente Zeitlosigkeit. Neue Konzepte, die über die modernen Wissenschaften Eingang gefunden haben erlauben die dritte Möglichkeit einer „relativen Zeitlosigkeit“, d.h. Gott habe seine eigene Zeitlichkeit, obgleich er die geschaffene Raumzeit transzendiert. Auch zentral bei christlichen Zeitkonzepten ist das Konzept kairos, welches sich nicht auf einen Moment bezieht, sondern auf den „richtigen Moment“ erfüllter Zeit, in der Gott die menschliche Realität betritt. In diesem speziellen Sinne ist dieses Konzept nicht mit Judentum oder Islam kompatibel.

Anders als bei vielen anderen Zeiteinheiten (Tag, Monat, Jahr, …) gibt es keinen natürlichen Rhythmus im Zusammenhang mit der 7-Tage-Woche. Trotzdem ist im Schöpfungsbericht von Genesis 1 die Schöpfung um 7 Tage angeordnet mit dem Höhepunkt im Sabbat. In Erinnerung an den Ostersonntag wurde der Sonntag als ein „Zusatz-Sabbat“ hinzugefügt, bevor der Sabbat selbst in der späteren christlichen Tradition wegfiel. Kaiser Konstantin machte den Sonntag offiziell zum ersten Wochentag und christianisierten dann den gesamten Kalender des Römischen Reiches. Für die meisten Christen ist die Zeit nicht in der Form nach Gebeten strukturiert, wie bei Muslimen oder vielen Juden. Daher wurden Uhren weiterverbreitet. Gottesdienste und Gebete spielten eine große Rolle in der Strukturierung von gelebter Zeit.

Hinsichtlich individueller Zeit ist das christliche Konzept der Zeit in ein Framework aus endlicher Lebenszeit, Tod und Auferstehung eingebettet: Tod und Leid sind real, aber sie sind nicht die letzte Realität. Die Lebenszeit eines jeden Individuums wird nicht als deren Eigentum angesehen, jedoch als zu Gott gehörend, welches das Feld der christlichen Zeitethik eröffnet. Da sie von Gott gegeben wurde hat die Zeit eine praktische Dimension der Überlegung, der Tat und der Veränderung und hat für Gottesdienst und gute Taten genutzt zu werden. Speziell der Gottesdienst wird in der orthodoxen Tradition, eingebettet in einer metaphysischen Betrachtung geschaffener Zeit, als ein Fenster hinter die Zeit zu zeitloser Ewigkeit gesehen. Die Idee von Zeit als göttliches Geschenk, inklusive die Annahme, dass Gott bestimmte Zeitpunkt für bestimmte Taten geschaffen hatte, findet Parallelen im Koran.

 

3. Das Konzept von Zeit im Islam (Prof. Dr. Sajjad Rizvi)

Die Weise, in der Zeit in Koran und Hadithen gedacht wird schließt sich an das vorislamische Zeitkonzept als etwas Absolutes (dahr) an, in Kontrast zur Idee der geschaffenen Zeit, welche einen Beginn und ein Ende hat. Das Ende er Zeit prägt die Wahrnehmung von Zeit als eine Serie von Prüfungen vor dem Endgericht. Zeittermini im Koran, wie z.B. as-sāʿa, werden oft in einem eschatologischen Kontext verwendet. Zeitperioden, wie Tage und Monate, werden als komplett unter Gottes Kontrolle beschrieben. Anders als der jüdische Sabbat oder der christliche Sonntag wird für den Freitag im islamischen Kontext kein göttlicher Ursprung reklamiert. Obwohl dieser der religiöse Höhepunkt der Woche ist, ist der Freitag nicht als Ruhe- oder Feiertag vom Rest der Woche abgetrennt.

Der der späteren islamischen Tradition gibt es drei Typen griechischen Einflusses auf die Art und Weise, wie Zeit konzeptualisiert wurde:

  • Platonische Vorstellung von Zeit und Ewigkeit, wie im Timaeusdargelegt, wurde von einigen islamischen Denkern aufgegriffen, hauptsächlich von den Ikhwān aṣ-Ṣafāʾ
  • Das aristotelische Zeitmodell als ein Maß an Bewegung wurde, das Paradoxon des Jetzt, in die islamische Philosophie aufgenommen
  • Atomismus gelangte in die islamisch-theologische Tradition, speziell die Ashʿariyya, obwohl die mutakallimūnanders als die Tradition des Demokrit ein primäres Interesse an der Herkunft der Atome im Sinne einer creatio continua

Eine technische Definition von Schöpfung im islamischen Denken ist „das, dem die Nichtexistenz vorausgeht“(baʿd al-ʿadam), obwohl dies nicht notwendigerweise dahingehend interpretiert werden muss, dass dies einen Beginn in der Zeit beinhalten muss.

In der Sufi-Tradition ist der Mensch als zwischen zwei Momenten von Nicht-Existenz und Zeitlosigkeit existierend angesehen. Die Rolle mystischer Praxis ist der Versuch diese Zeitlosigkeit in der Zeit zu erreichen. Das Verhältnis zwischen Zeit und Ewigkeit wird nicht als ein Verhältnis zwischen zwei, sondern zwischen drei Ebenen angesehen:

  • Zeit als solche (Ebene der Interaktion zwischen veränderlichen Dingen)
  • Unbegrenzte Dauer (dahr; Ebene der Interaktion zwischen unveränderlichen und veränderlichen Dingen, was auch die Ebene darstellt, auf der Schöpfung möglich ist)
  • Zeitlosigkeit

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