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Projektbeschreibung

 

Der Mensch ist Feind dessen, was er nicht kennt

sagt uns eine altarabische Weisheit

Dem wirkt die interdisziplinäre Forschungseinheit Key Concepts in Interreligious Discourses (KCID) [vormals Key Concepts in Interreligious Dialogue] entgegen. Es bildet einen innovativen Baustein der Weiterentwicklung der Untersuchung der drei verwandten monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Dafür unternimmt KCID eine begriffsgeschichtliche Untersuchung dieser drei Religionen unter Einbeziehung der jeweils anderen Gemeinschaften. Das Projekt KCID versteht sich somit als Beitrag intensiver wissenschaftlicher Beschäftigung mit den interreligiösen Diskursen. Ziel ist es, die theoretischen Wurzeln der verschiedenen Religionsgemeinschaften im Interesse gegenseitiger Verständigung offenzulegen.

Diesem Anspruch liegt die Einsicht zugrunde, dass nur durch die genaue Kenntnis der zentralen Ideen der jeweiligen Religionen eine objektive und wirksame interreligiöse Verständigung gelingen kann. Hierzu bündelt das Projekt auf einzigartige Weise fachwissenschaftliche und international wirksame Kompetenzen: Indem es die drei monotheistischen Religionen nicht isoliert, sondern in ihrer historisch gewachsenen gegenseitigen Interaktion untersucht, greift es nicht zuletzt Leitfragen der gegenwärtigen interreligiösen Forschung auf. Maßgeblich ist dabei die Erkenntnis, dass religionsgeschichtliche Entwicklungen niemals linear verlaufen, sondern dass eigene Überzeugungen vielmehr weitgehend im Austausch mit dem Anderen entwickelt werden.

Auf fachwissenschaftlicher Ebene sollen in dem Projekt für die drei monotheistischen Religionen zentrale, historisch gewachsene Konzepte durch jeweilige Experten aus dem Bereich der Theologien, der Religionswissenschaft und der Religionsphilosophie behandelt und publiziert, und somit für die Analyse aktueller und künftiger Entwicklungen fruchtbar gemacht werden.

Ziel ist es, Grundlagenforschung zu betreiben und eine „Archäologie des religiösen Wissens“ zu etablieren, um mithilfe der vergleichenden begriffsgeschichtlichen Untersuchungen Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen den Religionen sichtbar zu machen. Zudem soll gezeigt werden, wie aus dem je eigenen Selbstverständnis heraus ein Beitrag zur Verständigung und zum Frieden zwischen den Religionsgemeinschaften gewonnen werden kann.

Durch das Erschließen von Kernkonzeptionen der drei verwandten monotheistischen Religionen soll sowohl das Verbindende, als auch das Besondere jeder dieser Religionsgemeinschaften diskursiv herausgearbeitet und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Diese Vermittlung fundierten Wissens steht im Dienste der Stärkung der Akzeptanz des jeweils kulturell und religiös Anderen.

Die in KCID erarbeiteten Inhalte werden in drei Schritten diskutiert und präsentiert:

In einem ersten Schritt werden namhafte Wissenschaftler der einzelnen Disziplinen zu mehreren Fachtagungen im Jahr eingeladen um jeweils zentrale Konzepte zu debattieren. Hierbei wird in jeder Fachtagung ein Konzept aus der Perspektive jeder der drei im Projekt erfassten Religionen vorgestellt und debattiert. Die Ergebnisse dieser Fachtagungen werden sodann in einem zweiten Schritt in Bänden in englischer Sprache festgehalten. Die gleichnamige Buchreihe erscheint beim Verlag Walter de Gruyter (Berlin/Boston). Zusätzlich werden Inhalte auch auf einer mehrsprachigen Website auf Arabisch, Deutsch und Englisch publiziert.

Auf diese Weise wird das Projekt seinem Anspruch gerecht, religiöse Kernideen von Judentum, Christentum und Islam nicht nur innerhalb einer kleinen Gruppe wissenschaftlicher Spezialisten zu reflektieren, sondern diese auch öffentlichkeitswirksam zu verbreiten. Die Wissenschaft stellt sich auf diese Weise in den Dienst der Gesellschaft. Damit wird einer auf Unkenntnis basierenden Abgrenzung entgegengewirkt und durch Wissensvermittlung die gegenseitige Anerkennung zwischen Religionsgemeinschaften gefördert.

Dies gewährleistet die in dem Projekt angewandte Methodik der dialogisch-vergleichenden begriffsgeschichtlichen Untersuchung: Eigene religiöse Standpunkte werden im Anderen wiedererkannt. Das Projekt liefert hierbei nicht nur neue notwendige Erkenntnisse für das gegenseitige Verständnis der drei Religionsgemeinschaften, sondern transferiert diese auch durch die öffentlichkeitsorientierte Form der Veranstaltungen sowie die Dokumentation und Verbreitung der erzielten Ergebnisse (mehrsprachige Webseite, publizierte Sammelbände) in die Gesellschaft.

Angesichts weltweit zunehmender religiös motivierter Gewalt sowie des Zustroms mehrheitlich muslimischer Flüchtlinge nach Europa kommt dem interreligiösen Dialog eine nahezu existenzielle Bedeutung im Hinblick auf das friedliche Zusammenleben in weiten Teilen der Welt zu. Das Wissen um die religiösen Traditionen des Anderen ist eine entscheidende Grundlage für die gemeinsame Gestaltung von ethnisch und religiös pluralen Gesellschaften. Ein einziger Blick auf unsere Gesellschaften, der eine auf allen Seiten noch immer weit verbreitete Unkenntnis der jeweils anderen Religion feststellen lässt, beweist unweigerlich die Relevanz des in KCID erarbeiteten Wissens für die Völkerverständigung. Speziell im Hinblick auf die gegenwärtige Weltlage, in der die Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz der verschiedenen Religionen und Kulturen von bestimmten Ideologien und Akteuren in Frage gestellt wird, sind Anstrengungen erforderlich, die interreligiöse und interkulturelle Verständigung auf eine grundlegend-theologische und wissenschaftlich-fundierte Art und Weise weiter voranzutreiben. Fundierte Erkenntnisse über die eigene und die anderen Religionen sind das beste Mittel, eine höhere Stufe als die Toleranz, nämlich die Stufe gegenseitiger Anerkennung und gegenseitigen Respekts zu erreichen.

 

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