Navigation

Rechtsextremer Anschlag in Halle: Stellungnahme der Forschungsstelle KCID

Mit großer Bestürzung haben wir gestern vom Terroranschlag in Halle erfahren, bei dem zwei Menschen ermordet wurden. Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Ermordeten, ihren Hinterbliebenen und allen, die in Halle Todesangst erlitten haben.

Bei dem Attentäter handelt es sich um einen antisemitischen Rechtsextremisten. Es gleicht einem Wunder, dass eine Sicherheitstür den schwerbewaffneten Attentäter daran hinderte, sich Zugang zur Halleschen Synagoge zu verschaffen. Im Inneren befanden sich über 70 Jüdinnen und Juden, die gerade den höchsten jüdischen Feiertag, Yom Kippur, begehen wollten. Nicht auszudenken, welche Ausmaße der Anschlag sonst noch hätte annehmen können. Neben seinem Hass auf Juden zeigte sich bei dem Attentäter zusätzlich eine tiefe Ablehnung gegen alles ihm kulturell und religiös „Fremde“.  Er drang in einen Döner-Imbiss nahe der Synagoge ein und erschoss dort einen Mann. Bei diesem Anschlag gehen eliminatorischer Antisemitismus, völkischer Rassismus und Muslimfeindlichkeit Hand in Hand.

Seit Jahren beobachten wir mit Sorge die Zunahme von Rassismus und Hass in Politik, Gesellschaft und sozialen Medien. Plötzlich scheinen menschenverachtende Dinge wieder sagbar, welche noch vor nicht langer Zeit unsagbar gewesen sind. Diskurse verschieben sich nach rechts, antisemitische, fremden- und muslimfeindliche Straftaten haben massiv zugenommen. Am 2. Juni wurde der CDU-Politiker Walter Lübcke Opfer eines rechtsextremistischen Attentats, jetzt wollte ein Rechtsextremist aus rassistischen Motiven Dutzende jüdische Menschenleben auslöschen.

Wir in der Forschungsstelle „Key Concepts in Interreligious Discourses“, die sich zusammen mit jüdischen, muslimischen und christlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um gegenseitige Anerkennung der Religionsgemeinschaften intensiv bemühen, möchten dringend an die Politik appellieren, dem Vormarsch rechtsextremistischer und menschenverachtender Ideologien entgegenzuwirken.

Deutschland braucht eine lebendige Zivilgesellschaft und den Austausch zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Weltanschauungen dringender denn je. Interkultureller und interreligiöser Dialog, darüber betriebene Völkerverständigung mit unterschiedlichen Gesprächsformaten auf allen gesellschaftlichen Ebenen, sind ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Hass und daraus resultierendere Gewalt. Gerne unterstützen wir wissenschaftlich solche Vorhaben mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

 

Weitere Hinweise zum Webauftritt